KANZLEI BEYER
Immobilienrecht

Arras-Vertrag beim Immobilien­kauf in Spanien: Wann die Anzahlung verloren ist

Der Arras-Vertrag bindet Käufer und Verkäufer einer Immobilie in Spanien schon vor dem Notartermin, mit einer Anzahlung von meist 10 % des Kaufpreises. Welche der drei Arras-Formen vereinbart ist, entscheidet darüber, ob ein Rücktritt Geld kostet, das Doppelte einbringt oder auf Erfüllung geklagt werden kann.

Der Fall: 28.500 € verlorene Anzahlung

Ein Kaufinteressent aus Deutschland fand auf Teneriffa eine Wohnung für 285.000 €. Der Makler legte einen zweiseitigen Vorvertrag vor, einen contrato de arras; die Anzahlung von 10 % wurde noch am selben Tag überwiesen, der Notartermin auf zehn Wochen später festgelegt. Die Finanzierungszusage der Bank stand zu diesem Zeitpunkt noch aus; sie galt als Formsache.

Sie war es nicht. Die Bank bewertete die Immobilie niedriger als den Kaufpreis und sagte die Finanzierung ab. Der Käufer bat den Verkäufer um Fristverlängerung, dann um Auflösung des Vertrags gegen Rückzahlung der Anzahlung. Der Verkäufer verwies auf den Vertragstext: Rücktritt des Käufers gegen Verlust der Anzahlung; so stand es dort, gestützt auf das Gesetz.

Die 28.500 € waren verloren. Nicht wegen einer versteckten Klausel, sondern wegen einer fehlenden: Der Vertrag enthielt keinen Finanzierungsvorbehalt.

Der Arras-Vertrag ist kein Reservierungszettel. Er ist die wirtschaftlich folgenreichste Unterschrift des gesamten Kaufprozesses.

Was war passiert?

Zwei Fehleinschätzungen, die in der anwaltlichen Praxis auf Teneriffa immer wieder zusammentreffen:

Erstens die Annahme, ein Vorvertrag sei unverbindlich. Das Gegenteil ist richtig: Mit dem Arras-Vertrag sind Kaufgegenstand, Preis und Frist fixiert; der Notartermin vollzieht nur noch, was hier vereinbart wurde.

Zweitens die aus dem deutschen Rechtsdenken importierte Erwartung, eine gescheiterte Finanzierung sei ein Rücktrittsgrund. Das spanische Recht kennt keinen gesetzlichen Finanzierungsvorbehalt:

Kein ausdrücklicher Finanzierungsvorbehalt im Vertrag = Finanzierungsrisiko liegt vollständig beim Käufer

Platzt die Finanzierung, gilt das rechtlich schlicht als Rücktritt des Käufers, mit den Folgen, die der Vertragstyp vorsieht.

Die Rechtsgrundlage: Art. 1454 CC und die Rücktritts-Anzahlung

Geregelt sind die Arras in Artikel 1454 des spanischen Zivilgesetzbuchs (Código Civil, kurz: CC): Sind beim Kaufvertrag Arras geleistet, kann der Käufer vom Vertrag Abstand nehmen, indem er sie verliert, und der Verkäufer, indem er sie in doppelter Höhe zurückzahlt.

Diese gesetzlich beschriebene Form ist aber nur eine von dreien, und der oberste spanische Gerichtshof (Tribunal Supremo) legt Arras-Klauseln in ständiger Rechtsprechung restriktiv aus: Im Zweifel gelten sie nicht als Rücktritts-Arras. Welche Form vereinbart ist, entscheidet über alles Weitere; deshalb hier alle drei Konstellationen.

Fall 1: Arras penitenciales, der vereinbarte Rücktritt

Die Rücktritts-Arras nach Art. 1454 CC geben beiden Seiten ein Lösungsrecht mit fest bezifferten Folgen:

  • Käufer tritt zurück: Anzahlung verloren
  • Verkäufer tritt zurück: Rückzahlung der Anzahlung in doppelter Höhe
  • Beide erfüllen: Anzahlung wird auf den Kaufpreis angerechnet

Voraussetzung ist die ausdrückliche und eindeutige Vereinbarung dieses Lösungsrechts im Vertragstext. Formulierungen wie „a cuenta del precio“ (auf den Kaufpreis) genügen dafür nicht.

Fall 2: Arras confirmatorias, die bindende Anzahlung

Fehlt die ausdrückliche Rücktrittsabrede, sind die Arras eine bloße Anzahlung auf den Kaufpreis und Bestätigung des Vertragsschlusses. Ein Lösungsrecht gibt es dann nicht: Verweigert eine Seite die Erfüllung, greift das allgemeine Leistungsstörungsrecht nach Artikel 1124 des spanischen Zivilgesetzbuchs (Art. 1124 CC); die vertragstreue Partei kann Erfüllung einklagen oder die Vertragsauflösung mit Schadensersatz verlangen, der über die Anzahlung weit hinausgehen kann.

Das ist die Auffangform, in die schlecht formulierte Verträge nach der Rechtsprechung des Tribunal Supremo fallen. Für Käufer, die sich einen Ausstieg offenhalten wollten, die ungünstigste Konstellation; für Käufer, denen der Verkäufer abspringt, mitunter die stärkste.

Fall 3: Arras penales, die Vertragsstrafe

Als dritte Form können die Arras als Vertragsstrafe nach Artikel 1152 des spanischen Zivilgesetzbuchs (Art. 1152 CC) ausgestaltet sein: Die Anzahlung verfällt bei Nichterfüllung als Strafe, ohne dass dadurch ein Lösungsrecht entsteht; der Erfüllungsanspruch bleibt daneben bestehen, wenn dies vereinbart ist. In der Praxis auf Teneriffa seltener, aber in Maklervorlagen gelegentlich unbeabsichtigt angelegt, wenn Straf- und Rücktrittselemente vermischt werden.

Die Rechnung am Beispiel

Ausgangswert: Kaufpreis 285.000 €, Arras 10 % = 28.500 €. Ergebnis je nach Vertragstyp:

FallArras penitencialesArras confirmatorias
Käufer tritt zurück−28.500 €−28.500 € und mögliche weitere Schadensersatzforderung
Verkäufer tritt zurück+57.000 € an den Käufer (2 × 28.500 €)Klage auf Erfüllung oder Auflösung mit Schadensersatz
Beide erfüllenAnrechnung auf den KaufpreisAnrechnung auf den Kaufpreis

Mit ausdrücklichem Finanzierungsvorbehalt wäre die Anzahlung bei geplatzter Finanzierung zurückzuzahlen gewesen.

Wer ist betroffen, und wer nicht?

Kritisch ist der Arras-Vertrag vor allem für Käufer mit Finanzierungsbedarf: Ohne schriftliche Finanzierungszusage der Bank und ohne Finanzierungsvorbehalt im Vertrag trägt der Käufer das volle Risiko. Ebenso betroffen sind Käufer, die die Immobilie vor der Arras-Unterschrift nicht rechtlich prüfen lassen; Belastungen, Gemeinschaftsschulden oder fehlende Lizenzen kommen dann in einem Stadium ans Licht, in dem der Ausstieg bereits Geld kostet.

Weitgehend unkritisch ist die Konstellation für Barkäufer nach abgeschlossener rechtlicher Prüfung: Für sie ist der Arras-Vertrag das, was er sein soll: eine beiderseitige Absicherung gegen das Abspringen der Gegenseite bis zum Notartermin.

Welcher zeitliche Abstand zwischen Arras und Notartermin ist realistisch?

Marktüblich sind 30 bis 90 Tage. Wer eine Finanzierung benötigt, sollte keinesfalls weniger als 60 Tage vereinbaren; spanische Banken benötigen für Bewertung und Zusage bei Nicht-Residenten häufig sechs bis acht Wochen. Die Frist ist Verhandlungssache und gehört zu den Punkten, die vor der Unterschrift festgelegt werden müssen; nachträgliche Verlängerungen sind vom Wohlwollen des Verkäufers abhängig, der bei steigenden Preisen wenig Anlass zur Kulanz hat.

Was Kaufinteressenten auf Teneriffa konkret tun sollten

Erstens: Die rechtliche Prüfung vor die Arras-Unterschrift ziehen. Eigentumsregister , Belastungen, Gemeinschaftsschulden, Katasterlage: Was erst nach der Unterschrift bekannt wird, kann die Anzahlung kosten oder die Verhandlungsposition schwächen.

Zweitens: Die Arras-Form ausdrücklich festlegen. Wer sich ein Lösungsrecht sichern will, braucht eine ausdrücklich als Rücktritts-Arras (arras penitenciales) formulierte Klausel; wer auf Erfüllung bestehen können will, gerade nicht. Maklervorlagen leisten diese Differenzierung in der Beratungspraxis keineswegs zuverlässig.

Drittens: Bei Finanzierungsbedarf einen ausdrücklichen Finanzierungsvorbehalt und eine ausreichende Frist vereinbaren. Rückzahlung der Arras bei nachgewiesener Bankablehnung, Frist von mindestens 60 Tagen. Lehnt die Verkäuferseite beides ab, bleibt das Finanzierungsrisiko beim Käufer.

Fazit

Der Arras-Vertrag ist der eigentliche Kaufvertrag in Kurzform; der Notartermin führt nur noch aus. Welche der drei Arras-Formen vereinbart ist, entscheidet über die Folgen eines Scheiterns: Lösungsrecht gegen Anzahlung (Art. 1454 CC), Bindung mit Erfüllungszwang (Art. 1124 CC) oder Vertragsstrafe (Art. 1152 CC). Die Rechtsprechung des Tribunal Supremo nimmt im Zweifel Bindung an, und einen Finanzierungsvorbehalt gibt es nur, wenn er im Vertrag steht.

Wenn Sie eine Immobilie auf Teneriffa kaufen wollen und ein Arras-Vertrag vorliegt oder angekündigt ist: Lassen Sie den Entwurf und die Immobilie prüfen, bevor Sie unterschreiben. In unserer Kanzlei auf Teneriffa prüfen wir für deutschsprachige Käufer Arras- und Kaufvertrag vor der Unterschrift und begleiten den Erwerb bis zum Notartermin.

Arras-Vertrag prüfen lassen · Festpreis Immobilienkauf →

Häufige Fragen

Was ist ein Arras-Vertrag beim Immobilien­kauf in Spanien?

Der Arras-Vertrag (contrato de arras) ist ein privatschriftlicher Vorvertrag, mit dem Käufer und Verkäufer die Immobilie bis zum Notartermin binden. Der Käufer leistet eine Anzahlung von üblicherweise 10 % des Kaufpreises, die beim späteren Kauf angerechnet wird. Je nach vereinbarter Arras-Form richten sich die Folgen eines Rücktritts nach Art. 1454 oder Art. 1124 des spanischen Zivilgesetzbuchs.

Bekomme ich meine Anzahlung zurück, wenn meine Finanzierung für die Immobilie in Spanien platzt?

Nur wenn der Arras-Vertrag einen ausdrücklichen Finanzierungsvorbehalt enthält; einen gesetzlichen Vorbehalt kennt das spanische Recht nicht. Ohne diese Klausel gilt eine gescheiterte Finanzierung als Rücktritt des Käufers: Bei arras penitenciales ist die Anzahlung nach Art. 1454 CC verloren, bei arras confirmatorias drohen darüber hinaus Erfüllungs- und Schadensersatzansprüche.

Was passiert, wenn der Verkäufer nach dem Arras-Vertrag vom Verkauf zurücktritt?

Bei arras penitenciales muss der Verkäufer nach Art. 1454 CC die erhaltene Anzahlung in doppelter Höhe zurückzahlen. Bei arras confirmatorias kann der Käufer stattdessen nach Art. 1124 CC auf Erfüllung des Kaufvertrags klagen oder die Vertragsauflösung mit Schadensersatz verlangen, etwa wenn der Verkäufer zwischenzeitlich an einen Dritten verkauft hat.

Sind Arras im Zweifel Rücktritts-Arras oder bindende Arras?

Der oberste spanische Gerichtshof (Tribunal Supremo) legt Arras-Klauseln in ständiger Rechtsprechung im Zweifel als arras confirmatorias aus. Ein Lösungsrecht gegen Preisgabe der Anzahlung nach Art. 1454 CC besteht nur, wenn es ausdrücklich und eindeutig vereinbart ist. Wer sich ein Rücktrittsrecht offenhalten will, muss die Klausel entsprechend formulieren lassen.

Sollte man einen Arras-Vertrag auf Teneriffa vor der Unterschrift anwaltlich prüfen lassen?

Ja, denn mit der Unterschrift sind die wesentlichen Kaufbedingungen fixiert: Preis, Frist, Rücktrittsfolgen und Lastenfreiheit lassen sich danach kaum noch nachverhandeln. Die rechtliche Prüfung von Eigentumsregister, Belastungen und Gemeinschaftsschulden gehört vor die Arras-Unterschrift, nicht zwischen Arras und Notartermin.

Kontakt

Der erste Schritt kostet nichts.

Im Orientierungsgespräch klären wir, ob wir Ihr Anliegen übernehmen und was es kostet. Eine rechtliche Einschätzung Ihres Falls erhalten Sie in der Erstberatung.

Kontakt aufnehmen