Der Countdown beginnt am Todestag
Sechs Monate. So viel Zeit gibt das spanische Steuerrecht den Erben, um die Erbschaftsteuer für eine Immobilie auf Teneriffa zu erklären – gerechnet nicht ab Kenntnis vom Erbfall, nicht ab Testamentseröffnung, sondern ab dem Todestag. In dieser Frist müssen Erben, die häufig in Deutschland, Österreich oder der Schweiz leben, Unterlagen beschaffen, einen Erbnachweis führen, einen spanischen Notartermin organisieren und die anfallenden Steuern erklären.
Die Frist läuft auch, während Erben noch trauern, suchen und sortieren.
Der Ablauf ist gleichwohl beherrschbar, wenn die Schritte in der richtigen Reihenfolge angegangen werden. Im Folgenden das Verfahren, wie es sich in meiner anwaltlichen Praxis auf Teneriffa bewährt hat – in fünf Schritten, mit den jeweiligen Unterlagen und Fristen.
Schritt 1: Welche Unterlagen brauchen Erben zuerst?
Am Anfang stehen einige Dokumente, ohne die nichts weitergeht:
Die internationale Sterbeurkunde. Bei Tod in Deutschland stellt das Standesamt eine mehrsprachige Fassung aus, die in Spanien ohne Übersetzung anerkannt wird.
Die Bescheinigung des spanischen Testamentsregisters. Sie weist aus, ob und vor welchem Notar der Erblasser in Spanien ein Testament errichtet hat, und kann erst einige Wochen nach dem Todestag beantragt werden.
Die NIE-Nummer jedes Erben (die spanische Steuernummer für Ausländer). Ohne sie kann weder die Erbschaftsteuer erklärt noch das Eigentum umgeschrieben werden. Sie lässt sich über das spanische Konsulat oder per Vollmacht in Spanien beantragen und sollte parallel zu allen weiteren Schritten laufen.
Schritt 2: Der Erbnachweis als Weichenstellung
Der Erbnachweis ist die entscheidende Weichenstellung – von ihm hängt ab, wie lang und wie aufwendig das Verfahren wird.
Liegt ein spanisches notarielles Testament vor, ist der Nachweis in der Regel schnell geführt. Das ist einer der Gründe, warum ich Eigentümern mit Immobilie auf Teneriffa zu einem gesonderten spanischen Testament rate.
Fehlt es, muss der Erbnachweis auf anderem Weg erbracht werden, was je nach Konstellation zusätzliche Zeit beansprucht. Welcher Weg im Einzelfall der richtige ist, hängt von der familiären Situation, einer etwaigen Rechtswahl und dem Ort des letzten gewöhnlichen Aufenthalts ab – das ist der Punkt, an dem sich anwaltliche Prüfung am stärksten auszahlt.
Schritt 3: Die notarielle Erbschaftsannahme
Anders als in Deutschland geht das Eigentum in Spanien nicht von selbst auf die Erben über: Erforderlich ist eine notarielle Annahme- und Zuweisungsurkunde. In ihr nehmen die Erben die Erbschaft an, der Nachlass wird erfasst und – bei mehreren Erben – aufgeteilt und den Einzelnen zugewiesen.
Eine Anreise ist dafür meist nicht erforderlich. Die Annahme kann über eine Vollmacht abgewickelt werden, die vor einem deutschen Notar errichtet und für die Verwendung in Spanien vorbereitet wird. In meiner Kanzlei auf Teneriffa ist das der Regelfall.
Ist die Schuldenlage des Nachlasses unklar, kann die Annahme so gestaltet werden, dass die Haftung auf den Nachlass beschränkt bleibt. Ob das im Einzelfall geboten ist, gehört zur Prüfung vor – nicht nach – dem Notartermin.
Schritt 4: Die Steuern
Innerhalb der Sechs-Monats-Frist ist die Erbschaftsteuer zu erklären. Innerhalb der ersten fünf Monate kann eine Verlängerung beantragt werden; für den Verlängerungszeitraum können Verzugszinsen anfallen – ein Versäumniszuschlag wird so aber vermieden.
Die gute Nachricht für nahe Angehörige: Das kanarische Recht sieht derzeit eine sehr weitgehende Vergünstigung der Steuerschuld vor. Die wirtschaftliche Belastung ist damit in den meisten Familienkonstellationen gering; die Pflicht zur fristgerechten Erklärung besteht gleichwohl, und die Bewertung der Immobilie will sorgfältig geprüft sein.
Daneben kann eine gemeindliche Wertzuwachssteuer anfallen, die ebenfalls innerhalb der Frist bei der Gemeinde zu erklären ist.
Schritt 5: Die Umschreibung im Eigentumsregister
Nach der notariellen Annahme und dem Nachweis der Steuererklärungen wird die Umschreibung im spanischen Eigentumsregister beantragt. Erst mit der Eintragung sind die Erben formal verfügungsbefugte Eigentümer – Voraussetzung für jeden späteren Verkauf, jede Vermietung und jede Belastung der Immobilie.
Wie lange dauert die Nachlassabwicklung auf Teneriffa tatsächlich?
Eine in der Beratungspraxis typische Zeitplanung sieht so aus:
| Phase | Typische Dauer |
|---|---|
| Urkundenbeschaffung, Registerbescheinigung, NIE | 1–2 Monate |
| Erbnachweis (falls kein spanisches Testament vorliegt) | 2–5 Monate |
| Notarielle Annahme inkl. Vollmachtsweg | 3–6 Wochen |
| Steuererklärungen | innerhalb der 6-Monats-Frist |
| Umschreibung im Eigentumsregister | 3–6 Wochen |
Mit spanischem Testament sind vier bis sechs Monate realistisch; muss der Erbnachweis erst beschafft werden, sind eher acht bis zwölf Monate einzuplanen – dann führt an einem frühzeitigen Verlängerungsantrag für die Erbschaftsteuer praktisch kein Weg vorbei.
Was Erben einer Immobilie auf Teneriffa konkret tun sollten
Erstens: Sofort nach dem Erbfall die Fristen sichern. Die Sechs-Monats-Frist notieren, die Registerbescheinigung beantragen und das NIE-Verfahren für alle Erben anstoßen. Zeichnet sich ab, dass der Erbnachweis aufwendiger wird, den Verlängerungsantrag rechtzeitig innerhalb der ersten fünf Monate stellen.
Zweitens: Vor der Annahme die Schuldenlage klären. Hypotheken, Rückstände bei der Eigentümergemeinschaft und offene Steuerpflichten des Erblassers gehen mit dem Nachlass über. Bei unklarer Lage sollte die Gestaltung der Annahme vorab geprüft werden.
Drittens: Die Reihenfolge einhalten. Erbnachweis vor Notartermin, Steuererklärungen vor Umschreibung. Wer die Schritte parallel statt nacheinander denkt, verliert Zeit – die Vollmachtslösung erlaubt es, vieles aus Deutschland heraus zu steuern.
Fazit
Die Erbschaftsannahme in Spanien ist ein formalisiertes Verfahren mit klarer Taktung: Unterlagen, Erbnachweis, notarielle Annahme, Steuern, Eintragung. Die Sechs-Monats-Frist der Erbschaftsteuer gibt den Rhythmus vor, und die wichtigste Weichenstellung liegt beim Erbnachweis – ein spanisches Testament verkürzt das Verfahren erheblich. Dank der kanarischen Vergünstigung ist die Steuerlast für nahe Angehörige meist gering; die formalen Pflichten bleiben davon unberührt.
Wenn Sie eine Immobilie auf Teneriffa geerbt haben oder ein Erbfall absehbar ist: Lassen Sie früh klären, welcher Erbnachweis nötig ist und ob die Fristen eine Verlängerung erfordern. In meiner anwaltlichen Praxis auf Teneriffa begleite ich deutschsprachige Erben durch die gesamte Abwicklung – von der Urkundenbeschaffung über die notarielle Annahme per Vollmacht bis zur Steuererklärung und der Eintragung im Eigentumsregister.
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